Aktueller Kita-Bericht und Gesetzesänderungen: Wohlfahrtsverbände warnen vorfalschen Schlussfolgerungen und sehen Chancen in den veränderten Auslastungen

„Sinkende Kinderzahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Kitas weiterhin unter

erheblichem Druck stehen“, erklärt Heiko Naß, Vorsitzender der Landes-Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände S-H. Der aktuelle Bericht zur Kindertagesbetreuung vermittle ein Bild der Entspannung, das der Realität in den Einrichtungen nicht gerecht werde. Trotz rückläufiger Zahlen fehlten landesweit weiterhin mehrere tausend Kita-Plätze. Gleichzeitig seien freie Plätze keineswegs gleichbedeutend mit Überkapazitäten, sondern notwendig, um unterjährige Aufnahmen, Übergänge und den Rechtsanspruch verlässlich zu gewährleisten. „Eine landesweit standardisierte Bedarfsplanung ist unerlässlich und sollte gemeinsam gleichberechtigt mit den Akteuren beraten werden“, so Naß.


Die Träger betonen, dass die Situation vor Ort deutlich komplexer ist, als es statistische Auswertungen nahelegen. Regionale Unterschiede, fehlende einheitliche Planungsgrundlagen und verkürzte Anpassungsfristen im Bedarfsplan erhöhten die wirtschaftlichen Risiken erheblich, gefährdeten die Trägervielfalt und das Wunsch-und Wahlrecht der Personensorgeberechtigten.
Gleichzeitig wachse der finanzielle Druck durch schwierige Verhandlungen mit Kommunen sowie durch unzureichend auskömmliche Personalbudgets. Auch bei der Inklusion zeige sich ein verzerrtes Bild: Platzzahlreduzierungen seien kein verlässlicher Indikator für gelingende Teilhabe, vielmehr fehlten verbindliche Strukturstandards sowie schnellere Verfahren für Unterstützungsleistungen. Zugleich steigen die Anforderungen an die Einrichtungen kontinuierlich – von Sprachförderung über Inklusion
bis hin zur stärkeren Sozialraumorientierung. „Kitas sind längst weit mehr als Betreuungsorte. Sie leisten einen zentralen Beitrag für Bildung, Teilhabe und Beteiligung“, so Nadine Lenschau, Koordinatorin des gemeinsamen Fachausschusses Kita der Wohlfahrtsverbände. „Statt Gruppen oder gar Einrichtungen zu schließen, die Infrastruktur vor Ort zu schwächen wäre jetzt die Chance, eine wesentliche strukturstärkende Maßnahme umzusetzen: die Gruppengrößen zu verkleinern“ meint Lenschau „Gemeinsam können wir mit dieser Maßnahme beispielsweise die Sprachförderung stärken, bessere Umsetzung der Bildungsleitlinien ermöglichen, eine inklusivere Ausrichtung der Einrichtung befördern, zur Entlastung der Mitarbeitenden, für das Kindeswohl und die Kindesgesundheit beitragen.“ Vor diesem Hintergrund fordern die Träger verlässliche Rahmenbedingungen sowie gezielte Investitionen in Qualität und Fachkräftebindung statt Rückbau in der Angebotsstruktur. Denn für die Kinder zähle am Ende nicht die Statistik, sondern eine Kita, die ausreichend Zeit, Personal und Ressourcen für gute Bildung, Erziehung und verlässliche Beziehungen bietet.