Kiel, 5. Mai 2026 │Angesichts sozialer Spaltung und zunehmendem Rechtspopulismus leistet die Wohlfahrt einen wesentlichen Beitrag für eine stabile Demokratie und Gesellschaft. Die Wohlfahrtsverbände in Schleswig-Holstein warnen deshalb Bund, Land und Kommunen, die Soziale Arbeit ausschließlich als Kosten- und Einsparfaktor zu sehen.
Stattdessen sollten gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen des modernen Sozialstaates gesucht werden. Unter dem Motto „Wohlfahrt: Demokratie in Aktion“ wollen die Verbände in den kommenden Monaten mit einer Kampagne auf ihr weitgefächertes Angebot aufmerksam machen. Hintergrund sind das 80. Jubiläum der Landes Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege.
„In Kitas, der Pflege oder der Beratung ist die Wohlfahrt dicht dran am Menschen“, sagt der LAG Vorsitzende, Diakonievorstand Heiko Naß. „Die Mitarbeitenden haben ein Ohr für Nöte, leisten Hilfe und sorgen dafür, dass niemand an den Rand gedrängt wird. Ihre Arbeit wirkt direkt im
Gemeinwesen und für den Zusammenhalt; sie dämmt die Zweifel an der Demokratie ein. Die Wohlfahrt ist somit ein Standortfaktor, in den es sich lohnt, zu investieren. Dabei hat sich bewährt, dass hierzulande Soziale Arbeit nicht allein eine staatliche Aufgabe ist, sondern von einer Vielfalt von Verbänden und Trägern geleistet wird. Nur so sind breitgefächerte Angebote
und Innovationen möglich.“
Unter dem Dach der Wohlfahrtsverbände engagieren sich in Schleswig-Holstein mehr als 100.000 Mitarbeitende z.B. in der Pflege, Eingliederungshilfe, Kinder- und Jugendhilfe, Krankenhäusern, Kitas, Integrationsarbeit, dem Katastrophenschutz sowie in Beratungs- und
Hilfsangeboten für Menschen in Not. Weil Bund, Land und Kommunen ihre Ausgaben im sozialen Bereich aber zunehmend kürzen oder deckeln, kämpfen viele Einrichtungen und Angebote mit massivem Kostendruck und teilweise um ihre Existenz. Darunter leiden letztlich die Rat- und Hilfesuchenden.
Mit Sorge sehen die Wohlfahrtsverbände die kürzlich bekannt gewordenen 70
Einsparvorschläge von Bund, Ländern und Kommunen für den sozialen Bereich. Das würde die Schwächsten treffen und den sozialen Zusammenhalt schaden. Die Wohlfahrt mahnt dringend zum Dialog, um die Expertise der Verbände und die Perspektive von Betroffenen einbinden zu
können. Statt nur zu sparen, gebe es andere Möglichkeiten, Soziale Arbeit kostendämpfend zu gestalten, etwa durch den Abbau der überbordenden Bürokratie sowie mit Budgetlösungen für Träger und Poolangeboten.
Unter dem Motto „Wohlfahrt: Demokratie in Aktion!“ wollen die Verbände in den kommenden Monaten auf die Bedeutung der Wohlfahrt in Schleswig-Holstein aufmerksam machen. Dazu
laden sie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung in Einrichtungen ein: Der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband legt gemeinsam mit den Jüdischen Landesverbänden den Fokus auf das Thema Integration: „Ob Sprachkurse, Migrationsberatung, Asylverfahrensberatung oder Psychosoziale Zentren (PSZ) – die Wohlfahrtsverbände begleiten
Menschen auf ihrem Weg in die Gesellschaft, unabhängig von Herkunft, Religion oder Aufenthaltsstatus. Dabei verstehen wir Integration nicht als Einbahnstraße, sondern als gesellschaftlichen Prozess, der Offenheit, Ressourcen und politischen Willen erfordert. Die Jüdischen Verbände in Schleswig-Holstein gestalten diese Arbeit seit Jahren aktiv mit. Dabei
sind der Schutz und die Stärkung jüdischen Lebens kein Randthema – sie sind ein Gradmesser für die Stabilität unserer Demokratie.“
Die Diakonie nimmt die Eingliederungshilfe in den Blick: „Menschen mit Beeinträchtigungen haben das verbriefte Recht, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Doch noch immer verhindern Barrieren genau diese Teilhabe, etwa auf dem Arbeitsmarkt, beim Wohnen oder bei der Bildung. Mit individuellen Assistenzangeboten helfen die Wohlfahrtsverbände Menschen mit Behinderungen, Barrieren zu überwinden. Doch die
Einrichtungen und der Teilhabegedanke geraten finanziell, aber auch politisch immer mehr unter Druck. Das möchte die Diakonie bei einem Besuch der Herbert Feuchte Stiftung in Heide verdeutlichen.“
Das Deutsches Rotes Kreuz zeigt sein Engagement für die Krisenresilienz: „Gerade in Zeiten zunehmender Krisen und Konflikte zeigt sich, wie unverzichtbar Krisenresilienz und starke Strukturen des Bevölkerungsschutzes sind. Das DRK leistet mit seinen haupt- und
ehrenamtlichen Kräften einen essenziellen Beitrag zur Stärkung der Krisenresilienz und zum Zivilschutz in unserem Land – und damit zum Schutz unserer demokratischen Gesellschaft. Diese Aufgabe ist kein Randthema, sondern eine zentrale Säule der Wohlfahrt, die wir gemeinsam mit der Politik weiter stärken müssen.“ Die Arbeiterwohlfahrt setzt ihren Schwerpunkt auf die Demokratiebildung: „Die AWO stärkt Demokratie jeden Tag dort, wo Menschen zusammenkommen: in Quartieren, in Kitas, Schulen, Beratungsstellen und Einrichtungen der sozialen Arbeit. Wir schaffen Räume der Mitbestimmung, sichern soziale Teilhabe und fördern Chancen- und Bildungsgerechtigkeit. Demokratie lebt davon, dass Menschen sich respektvoll begegnen, gehört und ernst genommen werden. Angesichts wachsender Demokratiefeindlichkeit und im Einsatz für soziale
Gerechtigkeit bleibt dieses Engagement unverzichtbar.“
Höhepunkt der Kampagne ist der Festakt zum 80. Jubiläum der Landes-Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege am 2. September im Landeshaus in Kiel. Geladen sind Gäste aus Wohlfahrt, Politik, Verwaltung und Gesellschaft. Auch hier werden die Verbände ihre vielfältige Arbeit präsentieren.
Für Rückfragen: Friedrich Keller (Pressesprecher Diakonie Schleswig-Holstein), Mobil: 0174-94 50090; Mail: keller@diakonie-sh.d

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