Überschuldung bei Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte: Fachtag stärktZusammenarbeit in Schleswig-Holstein

Millionen Menschen in Deutschland gelten als überschuldet. Menschen mit Flucht- und
Migrationsgeschichte sind dabei häufig besonderen Risiken ausgesetzt: unsichere
Beschäftigung, geringere Einkommen, sprachliche Hürden sowie fehlende Kenntnisse des
deutschen Sozial-, Rechts- und Finanzsystems erschweren den Umgang mit finanziellen
Problemen. Gleichzeitig greifen aufenthaltsrechtliche Fragen, Sozialleistungen und
wirtschaftliche Situation eng ineinander. Wirksame Unterstützung ist deshalb nur möglich,
wenn Migrationsberatung und Schuldnerberatung eng zusammenarbeiten.
Vor diesem Hintergrund veranstalteten die freien Wohlfahrtsverbände Schleswig-Holstein
(LAG FW SH) und die Koordinierungsstelle Schuldnerberatung in Schleswig-Holstein am
25.02.2026 einen gemeinsamen Fachtag in Kiel. Rund 100 Fachkräfte aus ganz SchleswigHolstein kamen zusammen, um Herausforderungen im Beratungsalltag zu diskutieren,
voneinander zu lernen und die regionale Zusammenarbeit zu stärken.

„Viele Betroffene geraten nicht aus eigenem Verschulden in finanzielle Not, sondern weil
sie sich in einem hochkomplexen System orientieren müssen. Wenn Informationen fehlen
oder Unterstützung zu spät kommt, können kleine Probleme schnell existenzbedrohend
werden“, betonte Michael Selck, Koordinator des Fachausschusses Migration der LAG FW
SH.
Der Fachtag machte deutlich, dass finanzielle Stabilität eine zentrale Voraussetzung für
gesellschaftliche Teilhabe ist. Schulden können Integrationsprozesse erheblich
erschweren, während gleichzeitig migrationsspezifische Lebenslagen das Risiko
finanzieller Krisen erhöhen.
Neben Fachinputs zu Aufgaben, Zielgruppen und Arbeitsweisen beider Beratungsbereiche
standen Praxisbeispiele, eine Podiumsdiskussion sowie Workshops zur regionalen
Kooperation im Mittelpunkt. Ziel war es, Schnittstellen klarer zu definieren, Wissen zu
bündeln und konkrete Ansätze für eine nachhaltige Zusammenarbeit zu entwickeln.
„Gute Unterstützung entsteht dort, wo Fachstellen sich kennen, Vertrauen aufgebaut
haben und schnell zusammenarbeiten können. Am Ende profitieren alle Menschen in
Schleswig-Holstein“, so Selck.
Die Veranstalter sehen in der engeren Vernetzung einen wichtigen Schritt, um die
Unterstützung für Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte nachhaltig zu
verbessern und den sozialen Zusammenhalt in Schleswig-Holstein zu stärken.


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