Kiel, 16.10 2025 I Die Wohlfahrtsverbände in Schleswig-Holstein fordern eine
verlässliche Finanzierung von Inklusionsangeboten sowie mehr Vertrauen in die
Arbeit der Eingliederungshilfe. Hintergrund sind wiederkehrende Einspardebatten und
eine überbordende Bürokratie in diesem Bereich. Heute berät der Landtag über zwei
FDP-Initiativen zur Situation der Eingliederungshilfe im Norden. Aus Sicht der Landes-
Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände Schleswig-Holstein (LAGFW)
enthält dieser Bericht kaum zukunftsweisende Antworten auf die drängenden
Probleme etwa von Werkstätten für Menschen mit Behinderung.
„Werkstätten, stationäre Wohneinrichtungen und ambulante Assistenzangebote leisten einen
wichtigen Beitrag für die gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Behinderungen“, sagt
Kay-Gunnar Rohwer (DW), „So sieht es auch das Bundesteilhabegesetz vor. Im Gegensatz
dazu geraten die Einrichtungen und Angebote zunehmend unter Druck, sowohl finanziell als
auch in der politischen Debatte. Ohne die Ursachen zu benennen, werden sie als
Kostentreiber dargestellt und von übermäßigen Kontrollen überzogen. Eine
zukunftsgerichtete Arbeit im Sinne der Menschen mit Beeinträchtigungen wird somit immer
schwieriger. Wir bedauern, dass der heute im Landtag zur Diskussion stehende Bericht nur
den Ist-Zustand der Eingliederungshilfe beschreibt, aber kaum Lösungsansätze für die
Zukunft bietet. Damit könnte er als Blaupause für eine weitere Einspardebatte dienen.“
Unter dem Dach der Wohlfahrtsverbände engagieren sich viele Mitarbeitende in Werkstätten,
stationären Wohneinrichtungen, Berufsbildungswerken aber auch als Schulbegleitungen für
die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen.
Sie setzen die individualisierten Bedarfspläne um, die zuvor die Betroffenen gemeinsam mit
den Kostenträgern, etwa den Kommunen, erarbeitet haben. Umsetzung und Kosten sind im
Bundesteilhabegesetz und in einem Rahmenvertrag zwischen Land und
Wohlfahrtsverbänden geregelt. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Inflation,
Tarifanpassungen und notwendige Investitionen stetig zu mehr Kosten führen. Gleichzeitig
steigt die Zahl der Menschen mit Beeinträchtigungen, die leistungsberechtigt sind.
„Als LAG FW setzen wir uns dafür ein, dass beim Einsatz für die Inklusion von Menschen mit
Behinderungen nicht nachgelassen wird“, betont die LAG-Vorsitzende Anette Langner.
„Dazu gehört auch, die Einrichtungen der Eingliederungshilfe gemäß Bundesteilhabegesetz
angemessen finanziell auszustatten und nachvollziehbare Kostensteigerungen zu
berücksichtigen. Wer hier spart, spart auf den Rücken der Schwächsten.“
Gleichzeitig zeigen sich die Wohlfahrtsverbände offen für eine konstruktive Debatte über die
Zukunft der Eingliederungshilfe in Schleswig-Holstein. Diese sollte von einer Kultur des
gegenseitigen Vertrauens gekennzeichnet sein. Dabei sieht die LAGFW auch
Einsparpotentiale, etwa durch den Abbau der sehr kostenintensiven Bürokratie und
überbordenden staatlichen Kontrolle.

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