– Einzelmaßnahmen reichen nicht aus
Kiel (20. Februar 2025) Anlässlich des Fachgesprächs im Sozialausschuss des Landtags zum Fachkräftebedarf in Kindertageseinrichtungen und im Bereich der Jugendhilfe forderte die Vorsitzende der Landes-Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände Schleswig-Holstein (LAG-FW), Anette Langner, eine konsequente Abkehr von aktionistischen Einzelmaßnahmen und stattdessen die Entwicklung einer nachhaltigen und ganzheitlichen Fachkräftestrategie.
Eine ehrliche Bestandsaufnahme als Ausgangspunkt
„Seit Jahren diskutieren wir über Fachkräftemangel, Nachwuchswerbung sowie Mitarbeiterbindung und -motivation“, so Anette Langner im Sozialausschuss in Kiel. „Es fehlt nicht an strategischen Ansätzen, sondern am politischen Willen, die Situation realistisch zu bewerten und bestehende Konzepte kritisch zu hinterfragen. Sind wir erfolgreich genug? Verfangen unsere theoretischen Ansätze? Sind wir entscheidend vorangekommen? Diese Fragen müssen mit einem klaren Nein beantwortet werden.“
Die Wohlfahrtsverbände haben ihre Analysen und Lösungsansätze wiederholt vorgelegt – doch bislang fehlt eine kohärente Strategie, die die verschiedenen Herausforderungen integriert, statt nur punktuelle Lösungen zu schaffen. „Wir können es uns nicht mehr leisten, pädagogische Berufe isoliert nach ihren jeweiligen Einsatzzusammenhängen zu betrachten und auf vereinzelte Maßnahmen zu setzen. Ein Flickenteppich an kurzfristigen Lösungen wird die strukturellen Probleme nicht beheben.“
Drei zentrale Bausteine für eine nachhaltige Lösung
Langner fordert eine Fachkräftestrategie, die auf drei zentralen Säulen basiert:
1. Fachkräftemangel ernst nehmen und die Ausbildung reformieren
„Die bisherige Steigerung der Ausbildungszahlen reicht nicht aus, um den Bedarf langfristig zu decken. Wir brauchen eine bessere Datenlage, um gezielte Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung und eine attraktivere Ausbildungsstruktur zu schaffen.“ Die praxisintegrierte Ausbildung (PiA) müsse voll finanziert und duale Modelle gestärkt werden, um den Nachwuchs effizient auf den Beruf vorzubereiten. Allein um den Status Quo zu halten, fehlen im Kita-Bereich knapp 5000 Fachkräfte.
2. Arbeitsbedingungen und Perspektiven verbessern, um Fachkräfte zu halten
Neben der Gewinnung neuer Fachkräfte müsse ein Schwerpunkt auf der langfristigen Mitarbeiterbindung liegen. „Die Arbeitsbedingungen sind oft zu ungünstig, um Fachkräfte dauerhaft im Beruf zu halten. Wir müssen klare Aufstiegsperspektiven und bessere Rahmenbedingungen schaffen, um die tägliche Arbeit zu erleichtern und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten.“
3. Quereinsteigende und ausländische Fachkräfte gezielt fördern statt Personallücken notdürftig zu schließen
Langner machte deutlich, dass der Einsatz von nicht pädagogisch ausgebildeten Betreuungskräften keine nachhaltige Lösung sei. Stattdessen brauche es ein modulares, durchlässiges Weiterbildungssystem für Quereinsteigende und schnellere, transparente Anerkennungsverfahren für ausländische Fachkräfte. „Diese Fachkräfte müssen gezielt unterstützt und begleitet werden, damit sie langfristig im System verbleiben können.“
Einzelmaßnahmen reichen nicht – jetzt ist eine ganzheitliche Strategie gefragt
„Es bringt nichts, sich die Lage schönzureden“, so Langner weiter. „Die derzeitigen Maßnahmen reichen bei weitem nicht aus, um dem Fachkräftebedarf entschlossen und erfolgreich zu begegnen. Es braucht eine umfassende Reform der Ausbildung, verbesserte Arbeitsbedingungen, gezielte Personalentwicklungsstrategien und nachhaltige Qualifizierungssysteme für Quereinsteigende und ausländische Fachkräfte.“
Weitere zentrale Forderungen:
– Verbesserung der Anerkennung ausländischer Abschlüsse und schnellere Verfahren zur Integration qualifizierter Fachkräfte.
– Ausbau der praxisintegrierten Ausbildung (PiA) mit vollständiger Refinanzierung und besseren Anleitungsstrukturen.
– Verstärkte Unterstützung von Trägern zur Förderung innovativer Personalentwicklungsmaßnahmen.
– Erhöhung des Fachkraft-Kind-Schlüssels zur Reduktion der Arbeitsbelastung.
– Finanzierte Leitungsfreistellungszeiten auch für kleinere Einrichtungen.
– Förderung flexibler Arbeitszeitmodelle zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
– Entwicklung von klaren Karrierepfaden und leistungsvergüteten Fachkarrieren.
– Ausbau und bessere finanzielle Absicherung von Freiwilligendiensten wie FSJ und BFD.

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